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Das Buch, das Sie hier in Ihren Händen halten, ist kein typisches Handbuch für Beziehungen. Es wärmt kein konventionelles Wissen über Liebe und Sex auf, sondern präsentiert eine einzigartige Kombination von altem Wissen und moderner Wissenschaft. Es erklärt, inwiefern wir von den unbewussten Impulsen im primitiven Teil unseres Gehirns gefangen gehalten werden und wie wir uns auf grundlegende Weise selbst davon befreien können: indem wir unsere Art, miteinander Liebe zu machen verändern. Das Ziel dabei ist, die Disharmonie zwischen den Geschlechtern zu heilen und die kostbarsten Geschenke der Vereinigung zugänglich zu machen ? für immer. Als ich das Material für dieses Buch sammelte, wurden meine tiefgehendsten Vermutungen bestätigt, eben gerade weil es massiv meinen inneren Widerstand weckte. Schließlich änderte sich durch meine Forschung die Art, wie ich sexuelle Beziehungen, Leidenschaft, Romantik, Abhängigkeit und Feindseligkeit zwischen Liebenden sehe.

Wenn Sie der Säugetierfamilie angehören und nicht im Koma liegen, dann hat Ihr so genanntes primitives bzw. Reptilienhirn sehr viel mehr in Ihren intimen Beziehungen zu sagen als Ihr freier Wille. Sie haben höchstwahrscheinlich schon häufig auf sein Drängen hin gehandelt und sich später über den Herzschmerz gewundert, der von explosivem Ärger und Untreue bis hin zu langweiliger Stagnation reicht. Oder Sie haben sich in ein Leben im Zölibat zurückgezogen, um diese Fallen zu vermeiden, und werden dabei von anderen Abhängigkeiten begleitet. Leider bietet keiner dieser Wege echte Befriedigung, wie sie nur der Mittelweg bieten kann, der zwischen Trieb und Enthaltsamkeit liegt. Diesen Weg gibt es schon seit Tausenden von Jahren, doch der Instinkt unseres Körpers sorgt dafür, dass wir ihn in der Regel übersehen.

Um zu erklären, was an dem mittleren Weg der bewussten sexuellen Vereinigung so wünschenswert ist, will ich versuchen, meine anfänglichen Widerstände gegen diese Idee nochmals aufleben zu lassen, und Ihnen einige Fakten vorstellen, die meine Meinung änderten.

"Was nicht kaputt ist, braucht nicht repariert zu werden"

Sie sind aber kaputt. Intime Beziehungen schneiden nicht gut ab. "In den letzten Jahrzehnten zeigt der Trend, dass sowohl Amerikaner wie auch Europäer weniger heiratswillig sind und dass von denjenigen, die heiraten, weniger Paare ihre Ehe für 'sehr glücklich' halten".

Ich selbst war Brautjungfer auf drei Hochzeiten, war auch selber Braut, und 20 später waren alle diese Ehen geschieden. Und meine Erfahrung spiegelt nur einen Teil des verworrenen Liebeslebens so vieler Menschen wider. Von 1960 bis 2000 hat sich die Zahl der geschiedenen Ehen vervierfacht. Sich emotional getrennt voneinander zu fühlen, ist bei Paaren - verheiratet oder unverheiratet - weit verbreitet, und verheiratet zu bleiben bedeutet nicht, dass das grundlegende Problem gelöst wurde. Ehen sind häufig nur noch elende Überbleibsel einer ursprünglich liebevollen, romantischen, sich gegenseitig unterstützenden Verbindung.

Ich glaube, ich persönlich habe alle gängigen Ratschläge ausprobiert, um die Disharmonie in meinen intimen Beziehungen zu heilen: bessere Kommunikation, den richtigen Partner finden, mehr Leidenschaft, mein inneres Kind lieben, Kompromisse eingehen usw. Wenn der Ärger erst einmal losgeht, helfen auch diese Methoden nicht, die Verschlechterung einer Beziehung aufzuhalten, weil sie nur die Symptome eines viel tiefer liegenden Problems zu behandeln versuchen. Und dieses Problem befindet sich direkt vor unserer Nase. Es war schon immer da, aber jetzt, da Kirche und Staat nicht mehr die Macht haben, uns in unglücklichen Ehen ausharren zu lassen, bleibt es nicht mehr länger unter Teppich gekehrt. Sobald wir das Problem anerkennen, wird die Lösung offensichtlich.

Der Ärger beginnt mit dem Sex. Dabei geht es nicht darum, langweiligen Sex gegen aufregenden Sex auszutauschen, wie die meisten von uns gelernt haben, sondern wirklich um den Sex selbst. Denn platonische Beziehungen zwischen Frauen und Männern funktionieren ja wunderbar. Der Ärger beginnt, wenn wir miteinander im Bett landen. Und was beginnt dann auch noch? Für uns alle? Die Jagd nach dem Orgasmus.

Die Leidenschaft scheint unsere beste Freundin zu sein - oftmals der einzige Lichtblick in einer ansonsten nur schlecht funktionierenden Beziehung. Heißer Sex birgt jedoch einige Tücken, die im Laufe der Zeit zu Disharmonie in unseren Beziehungen führen. Der Orgasmus kann zum ärgsten Feind unserer Beziehungen werden, doch die Evolution sorgt dafür, dass wir den Zusammenhang zwischen der berauschenden Ursache und der elenden Wirkung nicht beachten.

Doch jetzt haben wir Gelegenheit, Licht auf unseren blinden Fleck zu werfen. Neue Ansätze in der Gehirnforschung (Neuroendokrinologie) decken auf, dass emotionale Entfremdung zwischen Liebenden viel weniger mit Kommunikation oder Zueinander-Passen zu tun haben als wir bisher angenommen haben, und viel mehr mit einem Teil unseres Gehirns, das so genannte Lust-/Belohnungs-Zentrum. Evolutionäre Biologie, die Kraft, die uns ermutigt, uns so oft möglich fortzupflanzen, nutzt diesen Hirnmechanismus, indem sie dafür sorgt, dass wir eine überwältigende biochemische Belohnung für heißen Sex, bzw. sogar nur für den Gedanken daran bekommen. Der Lohn fühlt sich so an, als würde er im Augenblick des Orgasmus eine Bindung fördern, doch die Entladung im Höhepunkt löst weitere biochemische Veränderungen aus, die uns mit der Zeit von unseren Geliebten wegdrängen.

Im Grunde hat die Entwicklungsbiologie den menschlichen Willen einzig und allein zu dem Zweck unterwandert, mehr Gene zu vervielfältigen und so die genetische Vielfalt zu fördern. Sobald Sie die Mittel und Wege der Natur mit ihrer unerwarteten Wirkung auf sich verstehen und Sie eine praktikable Alternative kennen, werden Sie besser entscheiden können, ob Sie sich ihrem Diktat beugen oder die Kontrolle selber übernehmen wollen.

"Aber Sex mit Orgasmus ist doch normal"

Richtig. Aber genauso richtig ist der Mittelweg, den die Alten befürworten. Den Ansatz, häufig und mit tiefer Befriedigung miteinander zu schlafen, und zwar ohne Orgasmus, (wie wir ihn zurzeit kennen), gibt es schon seit Jahrtausenden. Der Grund, warum uns das zunächst merkwürdig vorkommt, liegt darin, dass wir die vielen Vorteile davon noch nie erfahren haben. Außerdem sind wir so tief hypnotisiert, dass wir nicht sehen können, wie viel Schaden die Strategie unserer Biologie in unseren Beziehungen anrichtet.

Vielleicht haben Sie schon einmal etwas über den Coolidge-Effekt gehört. Wissenschaftler haben aufgezeigt (und Sie können sich sicherlich denken, dass es bei Experimenten wie diesem einsam wird im Labor ...), dass einer männlichen Ratte, die sich mit einem Weibchen sexuell ausgetobt hat, Frau Ratte als Ergebnis seiner veränderten Körperchemie im Anschluss vollkommen uninteressant erscheint. Wird er jedoch zu Frau Ratti, einem neuen Weibchen, gesetzt, verschwindet seine Erschöpfung auf mysteriöse Weise genau so lange, bis er seine Befruchtungspflichten wieder erfüllt hat. Das also ist als Coolidge-Effekt bekannt.

Zeigt sich der Coolidge Effekt auch im menschlichen Verhalten? Ich erinnere mich an ein Gespräch, das ich einst mit einem Mann führte, der in Los Angeles aufgewachsen war, wo die Welt der Sinne groß geschrieben wird. "Nach 350 Liebhaberinnen habe ich aufgehört zu zählen," gestand er. "Ich nehme an, dass bei mir wirklich etwas falsch läuft, weil ich mein sexuelles Interesse an diesen Frauen immer so schnell verloren habe, obwohl einige von ihnen wirklich schön waren." Zur Zeit unseres Gesprächs hatte seine dritte Frau ihn gerade wegen eines Franzosen sitzen lassen, und er war völlig entmutigt. Auf rätselhafte Art und Weise hatte sie ihr Interesse an ihm verloren.

Mahatma Gandhi hat anscheinend die Macht des Coolidge-Effekts für sich genutzt. Es wird erzählt, dass er während seines Hungerstreiks im Protest gegen die britische Kolonialmacht zwischen zwei Jungfrauen - neue Befruchtungsmöglichkeiten - schlief, um sich zu stärken. Aufgrund seiner spirituellen Praktiken hatte er seit langem aufgehört, mit seiner Frau sexuell zu verkehren, und lebte im Zölibat. Es ist geschichtlich nicht überliefert, ob Frau Gandhi ähnliche Experimente durchführte, um sich wegen der mangelnden Aufmerksamkeit ihres Mannes aufzumuntern.

Selbstverständlich werden auch Frauen von der Biologie durch genetische Tricks beeinflusst. Z. B. werden Frauen eher während der fruchtbaren Tage ihres Menstruationszyklus untreu. Sie haben außerdem leichter einen Orgasmus, durch den die Chance einer Befruchtung dadurch verbessert wird, dass eine größere Anzahl von Spermien in die Fortpflanzungsorgane eintreten kann , und zwar nicht unbedingt mit liebevollen und sensiblen Männern, sondern mit Männern von harmonischem Äußeren (dies weist auf eine gesunde genetische Struktur hin), selbst wenn diese weniger gute Partner abgeben.

Bis jetzt haben die meisten von uns sich entweder unreflektiert in triebhaftes sexuelles Verhalten gestürzt oder ihrer Libido einen Dämpfer aufgesetzt und ihre Analyse über die Not der Menschheit auf die moralische Bewertung anderer reduziert. Es wäre klüger, wenn wir uns selbst mehr Mitgefühl entgegenbringen und verstehen würden, inwiefern wir manipuliert werden, um schließlich unseren Kurs zu ändern, denn schließlich ist der Nachschub an französischen Liebhabern und Jungfrauen begrenzt.

Denken Sie einmal darüber nach. Die Entwicklungsbiologie hat kaum etwas zur Harmonie einer Beziehung beizutragen. So hat es Richard Dawkins in seinem Buch Das egoistische Gen beschrieben; wenn man will, kann man das Leben ausschließlich als konkurrierende Formen eines DNS-Apparates betrachten. Von dieser Perspektive aus gesehen sind Kakerlaken erfolgreicher als Menschen. Unsere ererbten Verhaltensmuster machen deutlich, dass von der Biologie mehr Nutzen aus einer großen Anzahl genetischer Möglichkeiten gezogen wird als aus Partnern, die glücklich und zufrieden miteinander kuscheln.

Aber hier sind die neuen Schlagzeilen: Niemand zwingt uns, diesem evolutionärem Diktat zu folgen. Tatsächlich wären wir als Gattung gut beraten, unsere Fortpflanzungsmöglichkeiten mit größerer Vorausschau zu wählen. Und als Individuen ginge es uns besser mit harmonischen Beziehungen, in denen wir einander tief vertrauen, als mit kopflosen Fruchtbarkeitstänzen. Die meisten von uns spüren das. Ich bin vor Jahren zufällig an eine Leserumfrage des Playboy geraten, bei der die Fragestellung folgende war: "Wodurch wird Sex so richtig gut?". Die Antwort mit den meisten Stimmen war: "Wenn man seinen Partner innig liebt".

Jahrzehnte später kann ich endlich erklären, warum jene Leser Recht hatten. Wenn jemand zutiefst für eine andere Person empfindet, wird er reich beschenkt. Durch solche Gefühle werden nicht nur unsere Ansichten über das Leben erfreulicher, sondern sie wirken auch auf der physiologischen Ebene positiv: körperliche Gesundheit wird gefördert, Stress reduziert und manch einer fühlt sich gar verjüngt.

Sexuelle Intimität, die dies ermöglicht, ist wahrhaftig großartiger Sex. Und um dies dauerhaft erleben zu können, müssen wir einfach nur permanent in Liebe verbunden bleiben. Wenn die Logik über uns regieren würde, würden wir auch tatsächlich dauerhaft verliebt bleiben. Das Problem beginnt erst, wenn die Biologie regiert und die Nachwirkungen ihres reizvollen Plans - zügellose Leidenschaft - die Liebenden trennt. Wie eine Freundin es so treffend ausgedrückt hat: "Die Evolution kümmert sich einen feuchten Kehricht um Liebe, Treue und Freundschaft."

Einen Weg, das Diktat der Biologie zu umgehen, gibt es schon seit Jahrtausenden. Ich sehe ihn sozusagen als eine Diät, bei der man alles essen kann, übertragen auf die Ebene der Dinge, die wir uns für eine glückliche Partnerschaft wünschen: körperliche Zuneigung, befriedigender Sex, gegenseitiges Vertrauen, emotionale Nähe und die Möglichkeit zu persönlichem Wachstum und Heilung. Ich bin mir sicher, dass mein persönlicher Ansatz, sexuelle Liebe zu praktizieren, dem ähnelt, den u.a. die alten chinesischen Taoisten aufgezeichnet haben. Doch in der Regel liegt es dem Verstand westlicher Menschen mehr, sich den Grundsätzen solcher Traditionen durch eine analytisch-experimentelle Herangehensweise zu nähern. In tiefer Dankbarkeit für die Wegweiser, die diese frühen Lehrer hinterlassen haben, will ich Ihnen dieses Material vorstellen, so wie ich selbst daraus gelernt habe: durch eine Kombination von esoterischen Hinweisen, eigenem Ausprobieren und der Analyse neuer wissenschaftlicher Entdeckungen.

"Man muss nur den richtigen Partner finden"

Das sind die Worte eines monogamen Ehemanns und Vaters von 13 Kindern, der ein kluger Beobachter der menschlichen Natur war:

Die Vorliebe für ausschließlich einen (Liebespartner) dauert im Leben in seltenen Fällen einige Jahre, häufiger einige Monate oder sogar nur Wochen, Tage, Stunden... Jeder Mann fühlt etwas, das man Liebe nennen könnte, für jede hübsche Frau, die er sieht, doch nur sehr wenig für seine eigene Frau... Und selbst wenn man zugeben muss, dass Menelaos sein ganzes Leben lang an Helena hing, so zog sie ihm doch Paris vor... -Leo Tolstoj

Vor mehr als hundert Jahren hat Tolstoj festgestellt, dass in seiner Ehe auf Phasen der Leidenschaft unvermeidlich Ärger und Streit zwischen ihm und seiner Frau folgten. Wenn sie dann nicht gerade offen feindselig miteinander umgingen, betäubten sie sich, um mit ihrer emotionalen Verzweiflung fertig zu werden. Er rauchte und trank zu viel, und seine Frau schreckte jeden mit ihrem Rummel um Trivialitäten, Haushalt und Kinder ab. Nach jahrelanger Beobachtung fand Tolstoj heraus, dass die Schuld daran in der Lust zu finden war. Doch die alten Texte, die eine andere Art der körperlichen Liebe beschreiben, waren damals noch nahezu unbekannt. Deshalb sah er nur zwei wenig erbauliche Alternativen: Sexuelle Abstinenz in seiner Ehe oder Lust, gefolgt von ausgeprägtem Ärger.

Das Problem, das er beschreibt, ist heutzutage nur noch größer geworden. Schauen wir uns die Prominenten an, was z.B. mit Pamela Anderson und Tommy Lee oder mit Billy Bob Thornton und Angelina Jolie passiert ist. Für die meisten von uns bedeutet, "den richtigen Partner zu finden", jemanden zu finden, der unsere Gehirnchemie in die "rote Zone" bringt. Doch selbst Paare, die ihre Verbindung weniger auf reiner Leidenschaft als auf einer traditionellen Ehe aufbauen, trennen sich mit alarmierender Häufigkeit.

Die Ursache für die Unterwanderung der Monogamie liegt in der Chemie, jedoch nicht die Chemie im üblichen Sinn. Erneut fanden Wissenschaftler einen entscheidenden Hinweis bei einem Experiment mit Nagetieren. Prärie-Wühlmäuse bleiben lebenslang zusammen, was ihre Wühlmaus-Verwandten aus den Bergen nicht tun. Wegen dieses auffälligen Unterschiedes waren Wissenschaftler in der Lage herauszufinden, dass Monogamie mit bestimmten neurochemischen Wirkstoffen zusammenhängt. Werden die neurochemischen Reaktionen bei der Prärie-Wühlmaus verhindert, wechselt auch sie munter zu polygamem Sex. Das heißt, die Stärke einer Bindung hängt eng mit neurochemischen Substanzen zusammen. Ist beispielsweise der neurochemische Wirkstoff Oxytozin richtig dosiert und am rechten Ort im Einsatz, bringt er uns dazu, dass wir zusammenbleiben wollen, und zwar ohne jegliche Anstrengung.

Wir können unsere Oxytozinausschüttung nur fördern, wenn wir offenen Herzens bleiben. Der Zyklus der Lust lässt uns jedoch zwischen extremem Verlangen und unbehaglichem Überdruss hin und herschwanken, so wie Tolstoj es beobachtete. Durch diese Gefühle werden wir gierig, bedürftig, launisch und defensiv, statt unser Herz zu öffnen. Und schwups bricht die Neurochemie der Romantik unter der Neurochemie des Unbehagens und der Trennung zusammen.

In maßvoller Dosierung ist sexuelles Verlangen wunderbar. Aber blinder Trieb hat die Tendenz, uns Menschen von treuen Prärie-Wühlmäusen in treulose Berg-Wühlmäuse zu verwandeln. Das mag vielen Menschen heutzutage nichts ausmachen, doch wissenschaftliche Untersuchungen haben auch gezeigt, dass wir Menschen in einer harmonischen Partnerschaft gesünder und glücklicher sind.

Bevor Sie also einen weiteren Partner oder eine weitere Partnerin verlassen, versuchen Sie doch erst einmal, Sex so zu gestalten wie in diesem Buch beschrieben. Die Folgen davon könnten Sie sehr beeindrucken. Obwohl ich mich anfänglich vom Versprechen des Konzepts, nämlich in Beziehungen eine tiefere Innigkeit zu schaffen, angezogen fühlte, war die erste Veränderung, die ich an mir bemerkte, ein verbesserter Gesundheitszustand. Chronische Pilz- und Harnwegsinfektionen verschwanden völlig, und seit über zehn Jahren habe ich keinen Arzt mehr gebraucht.

Mein Partner Will ist auch froh und zufrieden über die Heilung, die er erfahren hat. Er fühlt sich energiegeladener und leistungsfähiger, konnte sich von einer langjährigen Sucht befreien und braucht keine verschreibungspflichtigen Antidepressiva mehr. In den nunmehr fünf Jahren unserer Partnerschaft hat er mit Freude erlebt, wie gesund, verspielt, liebevoll und voll wachsender Nähe unsere Beziehung ist.

Unsere gute Gesundheit und gelebte Harmonie passen zu den Aussagen verschiedener alter Texte über heilsam wirkenden Sex. Will jedoch, der sich seit langem mit Naturwissenschaften beschäftigt, ist fasziniert vom Licht, das die moderne Wissenschaft auf diese Phänomene wirft. Wills Forschung, die ich mit einbeziehe, legt nahe, dass die frühen chinesischen Taoisten, tibetischen Buddhisten, Tantra-Gelehrten und selbst Christen aus der vorrömischen Zeit, all jene, die einen weniger leidenschaftlichen und mehr innigen Sex empfahlen, weitaus klüger waren als die meisten modernen Sexologen.

Frieden unter der Bettdecke

Dieses Buch besteht aus zwei Teilen. Der erste erklärt, warum ich meine Art, sexuelle Liebe zu leben, verändert habe. Er wird von den langgehegten Überzeugungen der meisten Leser abweichen, denn es wird empfohlen, Masturbation weitestgehend zu vermeiden, ohne konventionellen Orgasmus miteinander schlafen zu lernen, die Entfremdung vom anderen Geschlecht zu heilen und die Harmonie in der Beziehung wichtiger zu nehmen als das übliche Programm für sexuelle Intimität.

Außerdem empfiehlt es Selbstlosigkeit im Schlafzimmer - kein einfaches Unterfangen, denn die Chemie unseres Gehirns hat es so eingerichtet, dass wir für selbstsüchtigen Sex reichlich belohnt werden. Diese neurochemische Belohnung führt jedoch mitnichten zu größerem Wohlbefinden, wohingegen die Alternative dies tut.

Nichts wird Sie so wirksam von der Gültigkeit dieser Methode überzeugen wie einfaches Ausprobieren. Deshalb erklärt der zweite Teil des Buches Ihnen, wie ich es angegangen bin. Neben verschiedenen praktischen Tipps erläutert es eine Reihe einfacher Übungen für Paare, die ihre unbewusste biologische Programmierung umgehen möchten. Dabei geht es um gegenseitige Fürsorge, während man für einige Wochen durch eine Zeit der Mäßigung geht. Die daraus resultierenden Veränderungen der Neurochemie vermindern tatsächlich das Verlangen nach einem Orgasmus und jeglichen anderen Abhängigkeiten. Durch diese natürliche Wandlung kann man sich auf eine Art der körperlichen Liebe umstellen, von der Gesundheit und Beziehung enorm profitieren.

Dieses Buch ist wie eine Straßenkarte. Es hätte nicht ohne die großzügige Hilfe von Freunden, Freundinnen, Liebhabern, Freundinnen von Liebhabern und Liebhaberinnen von Freunden fertig gestellt oder veröffentlicht werden können. Einige von ihnen, wie z. B. Mary Sharpe, waren mutig genug, die Ideen auszuprobieren. Sie hat mich ihrerseits wiederum dadurch inspiriert, dass sie an die Cambridge Universität zurückkehrte, um im Fach Religionswissenschaften eine Doktorarbeit über Sexualität und das Heilige zu schreiben. Andere wiederum halfen, indem sie meine Ideen immer wieder kritisierten, ihre eigenen Erfahrungen und Eingebungen beisteuerten, sich in der Zeit, als ich immer wieder zwischen Europa und den USA hin und herpendelte, um mich kümmerten, Webseiten kreierten, Bilder malten, Korrektur lasen, redigierten, Quellen nachforschten, graphische Probleme lösten, und mich einfach gern hatten, selbst wenn meine ungewöhnliche Berufung für sie keinen Sinn ergab. Von Kalifornien bis Bayern, mit besonderer Verbindung nach Arizona, Belgien, England, Florida, Italien und New York stehe ich tief in der Schuld dieser Enthusiasten, Freunde und Begleiter.

Außerdem würde ich gern den Spaßvögeln danken, deren geistreiche Bemerkungen über die Kluft zwischen den Geschlechtern ich einfach zum Text hinzufügen musste. Viele der Witze fungieren als beißende Mahnungen zum den Stand der Dinge. Pryor jokeAus meiner neuen Perspektive betrachtet ist jedoch die Lage der Menschheit eher zum Lachen. Aus Unwissenheit haben wir uns Jahrhunderte lang von einem sinnlosen neurochemischen Belohnungsmechanismus hin und her schieben lassen. Wie es sich nun zeigt, hat es schon immer einen besseren Weg gegeben. Da es auf der Welt inzwischen nur so von unterernährten und an mangelnder Liebe leidenden Menschen wimmelt, wird es Zeit, diesen besseren Weg meistern zu lernen. Während ich gern zugebe, noch nicht alle Antworten gefunden zu haben, hoffe ich doch, dass Sie ein paar hilfreiche Anhaltspunkte finden werden. Zumindest werden Sie dazu befähigt, das wirkliche Hindernis für eine innige Vereinigung zwischen Menschen zu vermeiden, während Sie sich zur gleichen Zeit dafür einsetzen können, die intime Beziehung zu erschaffen, nach der Ihre Seele verlangt.

Marnia Lynn Robinson, 2003